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DJK Familienwanderung
 

Eine sehr interessante Heimatkundewanderung erlebten die rund 50 DJK-Mitglieder aus Laibstadt bei der traditionellen Familienwanderung am Ostermontag. Bei der über dreistündigen Tour entlang der Fränkischen Alb konnten Adolf Herler und Josef Singer viel Interessantes aus der Vergangenheit erzählen.
Doch zuerst musste der Anstieg Richtung "Moierbauerns Holz" geschafft werden.
Den ersten Part übernahm Josef Singer, der als junger Bursche die Zeit des Zweiten Weltkrieges hautnah miterlebt hatte. An einem kleinen verwitterten Holzkreuz erzählte er vom traurigen Schicksal des Wilhelm Rusam aus Dannhausen. Der 20-jährige wurde wegen einer schweren Handverletzung nicht zum Krieg eingezogen und arbeitete deshalb für die Raiffeisengenossenschaft Thalmannsfeld. Für diese sollte er am 28. Oktober 1943 eine Fuhre Kartoffeln mit einem Holzvergasertraktor nach Nürnberg bringen. Es stand jedoch nur ein Anhänger ohne funktionierende Bremse zur Verfügung. Bereits in Thalmannsfeld hatte man ihm schon sehr viele Kartoffeln aufgeladen. In Dannhausen kamen noch einige Zentner hinzu. Vor der Abfahrt die steile Straße den Albrand hinunter hielt er noch einmal vor seinem Elternhaus, um sich mit den größten Bedenken zu verabschieden. Einige Flüchtlingsmädchen aus Nürnberg, die mit ihm zu einem Kurzbesuch in ihre Heimatstadt fahren wollten, ließ er noch oben auf dem Berg vom Wagen absteigen. Er selbst wurde mit seinem Gefährt immer schneller, bis er mit hohem Tempo von der Straße abkam und tödlich verunglückte.
Einige Rätsel gaben auch die fünf im Durchmesser etwa zehn Meter großen Erdaushübe entlang der Dannhauser Straße auf, wo die Gruppe als nächstes Station machte. An dieser strategisch wichtigen Straße Richtung Süden hatten sich zu Kriegsende etliche SS-Soldaten verschanzt, die die US-Army aufhalten wollten. In einer rund 70 Jahre alten Buche hatte sich einer der Soldaten mit einem Hackenkreuz und "Heil Hitler" verewigt. Als die Amerikaner schließlich am 24. April 1945 in Laibstadt einzogen, um von hier aus weiterzuziehen, gab es jedoch einen kilometerlangen Rückstau, da die abziehenden SS-Soldaten die Straße kurz vor Dannhausen gesprengt hatten und diese erst notdürftig repariert werden musste.
 Interessant in diesem Zusammenhang war auch die Erklärungen einiger Teilnehmer, dass im Zuge des Kalten Krieges um 1970 in dieser Straße drei Sprengkanäle eingebaut wurden, um diese erneut beim Anrücken eines feindlichen Heeres sprengen zu können.
Beim Moierbauerns Keller angekommen, konnten viele der Wanderer zum ersten Mal dieses Felsenloch betreten. Knechte vom ehemaligen Gutshof in Laibstadt hatten vermutlich um 1900 diesen Stollen in die Tiefe getrieben, um hier im Winter bei konstanten Temperaturen Rüben und Kartoffeln lagern zu können.
Schwarze Nacktschnecken sind die Bewohner im Keller.
Dass Laibstadt über Jahrhunderte hinweg Bergwerksdorf war, daran erinnert nur noch wenig. Die letzte erfolglose Suche nach Erz führte man hier 1959 durch. In 18 Meter Tiefer stieß man tatsächlich auf ein 50 Zentimeter dickes Eisenflöz, das dem Pfraunfelder Horizont zugerechnet wird und bei Bergen und Pfraunfeld um 1850 in kleineren Bergwerken abgebaut wurde. Hier jedoch lohnte sich der Abbau nicht. Zurück blieb ein 10 Meter tiefer Krater.
 
Alle Kinder bekommen eine süße Verpflegung von den Srullers übergeben. Auch die Walli hat sich hinten angestellt
Den letzten Halt machten die DJK-Mitglieder beim so genannten Abschnittswall. Im Auslauf des so genannten Ruppertsberges befindet sich eine rund 150 Meter lange und fünf Meter tiefe Schanze. Hier konnten sich Menschen der umliegenden Ortschaften zurückziehen, wenn die Zeiten unruhiger waren. Von der Niederung herauf bot die steile Böschung einen natürlichen Schutz. Solche Anlagen wurden in der Keltenzeit, aber auch später im Mittelalter während der Ungarneinfälle oder auch während des dreißigjährigen Krieges genutzt. Aus welcher Zeit die Laibstädter Anlage stammt, weiß man jedoch nicht, da hier noch keine Grabungen stattgefunden haben.
Viele Dachsbauten sind am Steilhang des Ruppertsberges, einige frische Spuren waren auch noch deutlich im roten Sand zu erkennen.
Zurück nach Laibstadt durch die wunderschöne Landschaft am Fränkischen Jura.


©1998 by Werner Fürsich