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Einweihung des neuen Kriegerdenkmals

Laibstadt (nh) - Am Sonntag konnte das umfassend neu gestaltete und restaurierte Kriegerdenkmal in Laibstadt eingeweiht werden. Die Schrifttafel mit den Namen der in den beiden Weltkriegen gefallenen Soldaten und die Pieta waren von Umwelt- und Witterungseinflüssen stark angegriffen, so dass sich die Soldaten- und Kriegerkameradschaft Laibstadt und Umgebung dazu entschlossen hatte die Erneuerung in Angriff zu nehmen.

Stadtpfarrer Tobias Göttle, der die Einweihung nach dem Sonntagsgottesdienst vornahm, machte auf die über 500 Jahre alte Marienfigur am Hauptalter der Kirche aufmerksam. "So wie die Madonna von Laibstadt friedlich auf uns herabschaut, so soll auch das neue Kriegerdenkmal zum Frieden gemahnen!" Bürgermeister Ottmar Brunner verwies auf die vielen, nun wieder lesbaren Namen am Denkmal, hinter denen alle Einzelschicksale stehen würden. "Jeder Tote dieses Krieges hinterließ auch Leid bei Müttern, Ehefrauen und Kindern", machte er in seiner Ansprache deutlich. Die Namen der Gefallenen soll nicht in Vergessenheit geraten und für die kommenden Generationen erhalten werden.

Bei der Vorstellung des Denkmals durch den Eichstätter Bildhauer Rupert Fieger ging dieser auf die Umsetzung des "mutigen, modernen, aber nicht modischen Kunstwerkes" näher ein. "Wir wollten die neuen Element in die bestehende Kapelle einfügen, weshalb wir die Schrifttafeln als Rundungen vorgesehen haben." So sei zwar die Schriftsetzung etwas schwieriger gewesen, aber es ergebe jetzt ein einheitlicheres Gesamtbild. In die vorgefrästen Buchstaben habe man aufgrund der größeren Haltbarkeit Blei hineingetrieben. "Die Schrifttafel selbst ist schichtweise aufgebaut", erklärte der Bildhauer weiter. "Die untere Schicht ist für den Ersten Weltkrieg, die zweite Schicht für den Zweiten Weltkrieg und die dritte kleine Schicht für den Schriftzug <Im Gedenken der Opfer und des Leids der Kriege - Als Mahnung zum Frieden>. Hoffen wir, dass in Zukunft keine weitere Schicht notwendig sein wird."

Vereinsvorsitzender Mathias Harrer berichtete bei seiner Festrede über die Geschichte des Laibstädter Kriegerdenkmals. "Bereits 1910 wurde eine Art Erinnerungstafel mit den Kriegsteilnehmern der beiden Feldzüge 1866 und 1870/71 am Südeingang der Kirche angebracht." An beiden Kriegen war je ein Gefallener aus Laibstadt zu beklagen gewesen. 1882 war schließlich der Laibstädter Kriegerverein gegründet worden. 1921 errichtete man auf Kosten der Gemeinden Laibstadt und Rudletzholz ein neues Kriegerdenkmal. Der Münchner Bildhauer Johann Sertl lieferte dazu eine Pieta aus Kelheimer Marmor und fertige den Plan für die noch heute bestehende Kapelle, zu der Selingstädter Sandstein verwendet wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde 1957 zum 75-jährigen Gründungsfests der Vereins das mit einer neuen Schrifttafel versehene Denkmal eingeweiht. Pünktlich zur 125-Jahrfeier im nächsten Jahr habe man nun die Erneuerung erfolgreich zum Abschluss gebracht, was ohne die großzügenen Spenden der Bürger nicht so ohne weiteres möglich gewesen wäre, bedankte sich Harrer. Bewusst habe man hinter die jeweiligen Namen das Alter der Gefallenen schreiben lassen. Er verwies auch auf die von Schriftführer Johann Struller angefertigte Broschüre, die den Umbau dokumentiere.

Mit einem Kirchenzug, voran die Blaskapelle marschiert die KSK zum Ehrenmal.  
Stadtpfarrer Tobias Göttle nahm die Einweihung vor. Bürgermeister Brunner wies auf die vielen Schicksale hin, die hinter jedem einzelnen der Namen stecke.
Die Pieta hat der Künstler Rupert Fieger bewusst vom hohen Sockel auf die Erde gestellt. Der Tod eines Sohnes oder Ehemannes war für die Mütter bestimmt nichts hohes Erhabenes, sondern ein Schmerz und eine tiefe bodenlose Trauer. Vorsitzender Mathias Harrer bedankt sich bei allen, die bei der Neugestaltung des Kriegerehrenmals mitgeholfen haben.
Und zur jeder Einweihung gehört natürlich ein Fest. Die ganze Gemeinde wurde eingeladen in "Wangers Stodl" mitzufeiern.    

Das Denkmal erstreckt sich in drei zeitlichen und einer transzendenten Dimension.
  1. Es ist als Zeichen unserer Zeit gegenwärtig in der Gemeinde und verweist auf die Tatsachen, dass der Mensch in einer unzulänglichen Welt lebt, dass es Zeiten großen Leides und Unheils gab und gibt und immer geben wird.
  2. Es erinnert an die konkrete Vergangenheit der Gemeinde; an die letzten Kriege dessen Auswirkungen immer noch spürbar sind, die nicht vergessen und verdrängt werden dürfe,
    - es erinnert an die Schicksale der Gefallenen und ihrer Familien, die durch diesen Verlust Schmerz erlitten haben,
    - es erinnert in der Formulierung ALLEN LEIDS an die Opfer von Entbehrung, von Vertreibung und Verfolgung und lässt erahnen, welche menschliche Katastrophe der Krieg ist.
  3. Daraus erwächst die Verantwortung für den Frieden, die im Text konkret angemahnt ist, aber allein schon durch die Präsenz des Denkmals im Ortsbild ständig vor Augen geführt wird.

 


©1998 by Werner Fürsich